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Letzten Monat war ich zum Let’s Care Symposium am Universitätsspital Zürich eingeladen und ich hätte nicht gedacht, dass dieser Tag meinen Blick auf unseren Beruf so deutlich verändern würde.

Ein herzliches Dankeschön an das Zentrum Klinische Pflegewissenschaft für die Einladung und die beeindruckende Organisation.


Ich ging hin mit der Erwartung eines typischen Fachtags: ein paar Präsentationen, bekannte Gesichter, ein Austausch, den man so oder ähnlich schon erlebt hat.

Was ich bekam, war etwas völlig anderes.

Schon in den ersten Minuten wurde klar, dass hier nicht einfach diskutiert wurde   hier wurde entwickelt. Das Symposium war kein theoretischer Raum, sondern ein lebendiger Einblick in die Zukunft der Pflege. Der Saal war gefüllt mit Pflegefachpersonen, APNs, Forschenden, Leitungspersonen und Menschen, die sich in ganz unterschiedlichen Rollen für dieselbe Sache einsetzen: Pflege weiterbringen.

Und genau das wurde sichtbar.

 

Ein Tag voller Impulse und voller Realität

 

Es gab Präsentationen zu neuen digitalen Flagging Systemen, verbesserten Arbeitsprozessen, universellen Modellierungsansätzen, Evidence to Action Konzepten und Simulationstrainings direkt aus dem Alltag. Das Beeindruckende daran:Das waren keine Folienphantasien.Das waren Lösungen, die in echten Situationen entstanden sind   dort, wo Komplexität, Zeitdruck und Verantwortung aufeinandertreffen.

Ich merkte, wie ich innerlich zwischen Staunen und Nachdenklichkeit pendelte. Staunen über das, was alles möglich ist. Nachdenklichkeit darüber, wie selten wir im Stationsalltag den Raum haben, diese Entwicklungen bewusst wahrzunehmen.

 

Die Podiumsdiskussion und die Erkenntnis der zwei Uhren

 

Am Ende des Tages war ich Teil der Podiumsdiskussion zu Innovation, Digitalisierung und natürlich zum Fachkräftemangel. Die Diskussion war ehrlich, direkt und vielschichtig. Und genau dort wurde mir eine Wahrheit wieder scharf bewusst:

 

In der Pflege arbeiten wir auf zwei unterschiedlichen Uhren.

 

Die Stationsuhr:Sie tickt schnell.Wir brauchen Lösungen jetzt.Für diese Schicht.Diese Patienten.Diese Belastung.

Die strategische Uhr:Sie tickt langsam   und muss langsam ticken.Sie denkt in Strukturen, Prozessen, Konzepten.Sie baut, testet, korrigiert, erneuert.Sie plant für morgen, übermorgen und für die nächsten Jahre.

Beide Uhren sind wichtig.Beide Uhren sind richtig.Aber beide Uhren verstehen einander zu selten.

Von der Station aus wirken Strategien manchmal weit weg.Von der Strategie aus wirken Stationsrufe nach Entlastung manchmal „zu kurzfristig“.

Und genau da entsteht die Spannung, die alle spüren, aber kaum jemand ausspricht.

 

Was ich persönlich mitgenommen habe

 

Auf dem Heimweg wurde mir klar, wie stark dieses Spannungsfeld unsere tägliche Zusammenarbeit prägt   und wie oft wir daran reiben, ohne dass es wirklich benannt wird.

Und gleichzeitig wurde mir auch klar, was die einzige echte Brücke zwischen diesen beiden Uhren ist:

kontinuierliche Bildung.

Nicht als Kurs.Nicht als Zertifikat.Nicht als Pflichtpunkt in einem Jahresgespräch.

Ich meine professionelle Weiterentwicklung als Haltung.

Kontinuierliche Bildung ist das, was uns ermöglicht:

  • neue Evidenz nicht als Belastung, sondern als Werkzeug zu sehen

  • digitale Tools zu nutzen, statt sie zu fürchten

  • komplexe Situationen zu verstehen, statt davon überrollt zu werden

  • Innovation nicht nur zu hören, sondern umzusetzen

  • neue Rollen zu ergreifen, statt in alten auszubrennen

  • das System zu durchschauen, statt sich ausgeliefert zu fühlen

 

Sie macht den Unterschied zwischen:

 reagieren und reflektieren, funktionieren und gestalten, überleben und vorangehen.

Das ist keine Theorie. Das ist die Praxis jedes einzelnen Tages.

 

Warum ich am USZ arbeite

 

Das Symposium hat mir etwas in Erinnerung gerufen, das ich im Alltag manchmal vergesse: USZ ist einer der wenigen Orte, an denen Innovation, Lernen und Praxis wirklich zusammenkommen.

  • Ideen versanden nicht in Sitzungen.

  • Evidenz bleibt nicht auf Papier stehen.

  • Pflege sitzt nicht am Rand   sie sitzt mitten im Prozess.

  • Bildung ist kein „Zusatz“, sondern Teil der Kultur.

Ich brauche genau so ein Umfeld. Nicht bequem, sondern herausfordernd. Nicht statisch, sondern wachsend. Nicht reaktiv, sondern mitgestaltend.

 

Die unbequeme Wahrheit

 

Wir sind noch lange nicht dort, wo wir hinmüssen. Die Innovationsgeschwindigkeit und der Stationsalltag laufen in zwei Takten. Das erzeugt Druck auf beiden Seiten.

Aber die Lösung ist nicht, eine Seite schneller zu machen oder die andere langsamer.

Die Lösung ist, Pflegefachpersonen kontinuierlich zu befähigen, damit sie beide Welten gleichzeitig verstehen und verbinden können.

Das ist der Sinn von Bildung.Das ist der Kern unserer Professionalität.Und das ist der stärkste Hebel, den wir haben.

 

Mein persönliches Commitment

 

Ich habe das Symposium mit zwei Gefühlen verlassen:

  1. Respekt vor dem, was unsere Kolleginnen und Kollegen entwickeln.

  2. Dringlichkeit, weil die Stationen Entlastung jetzt brauchen.

Beides gleichzeitig zu halten ist unbequem.Aber es ist notwendig.

Und genau deshalb bleibe ich bei meiner Haltung:

Kontinuierliche Bildung ist für mich nicht verhandelbar.

 

Nicht wegen Karriere.Nicht wegen Titel.Sondern weil sie die einzige Möglichkeit ist, diese zwei Uhren zu synchronisieren   so weit es eben möglich ist.

Sie ist unser Anker.Unser Werkzeug.Unser Schutz.Und unser Zukunftspfad.

Sie ist keine Veranstaltung.Sie ist unsere Identität.Und sie ist einer der Gründe, warum ich am USZ arbeite.

  • Autorenbild: ignatius ounde
    ignatius ounde

Gesundheit ist nie nur Hintergrundrauschen — nicht in Kenia, wo ich aufgewachsen bin, und auch nicht am USZ, wo ich heute arbeite.

In unserer Nachbarschaft in Nairobi gehörte Gesundheit zum Alltag — manchmal still, manchmal schmerzhaft sichtbar. Ich war neun Jahre alt, als eine Meningokokken-Meningitis unsere Schule traf. Es begann harmlos: Kopfschmerzen, Fieber, ein leis­es Flüstern im Klassenzimmer. Innerhalb weniger Tage waren drei meiner Mitschüler tot. Als Kind versteht man Verlust unmittelbar — die Kinder fehlten überall: auf dem Pausenhof, an den leeren Tischen, in der Stille, wo vorher Lachen war.


Dann kam Hoffnung — nicht als Wunder, sondern in kleinen Impfampullen. Gesundheitspersonal kam in die Schule, stellte uns in Reihen auf und impfte uns gegen Meningitis, selbstverständlich mit Erlaubnis der Eltern. Ich erinnere mich an den Geruch des violetten Spiritus, der beim Desinfizieren kühl auf der Haut lag, an das gedämpfte Schweigen. Es war eine schwere Zeit, aber als alle geimpft waren, war das eine Erleichterung: selbst wenn jemand erkrankt wäre, hiess das nicht mehr zwangsläufig Todesurteil. An diesem Tag wurde mir klar: Prävention ist wichtig — die Erkenntnis, dass eine kleine Spritze Leben retten kann, hat sich tief in mein Denken eingeprägt.


Als ich später Pflegefachmann wurde, wurde diese Lektion lauter denn je. Ich sehe täglich, wie Prävention Leben verändert — und rettet. Prävention zeigt sich oft in kleinen, alltäglichen Routinen: regelmässigem Händewaschen vor dem Essen und nach dem Heimkommen, dem gezielten Desinfizieren der Hände in Risikosituationen, rechtzeitigen Schutzimpfungen und einfachen Vorsorgechecks wie der Blutdruckmessung. Auch Hustenetikette, das frühe Erkennen von Fieber oder eine kurze ärztliche Rückfrage bei ungewöhnlichen Symptomen gehören dazu. Diese unscheinbaren Handgriffe verhindern häufig, dass harmlose Beschwerden zu schweren Erkrankungen werden — und summieren sich zu einem erheblichen Schutz für Einzelne und die Gemeinschaft.


Ich habe Menschen gepflegt, deren Leid vermeidbar gewesen wäre: Schlaganfälle nach unbehandeltem Bluthochdruck, Lungenentzündungen bei ungeimpften Seniorinnen und Senioren. Die Wissenschaft bestätigt, was ich in der Praxis sehe: Millionen Leben werden jährlich durch Impfungen und frühzeitige Prävention gerettet. Und doch bleiben viele Menschen ungeschützt — nicht nur, weil Medikamente fehlen oder wegen Skepsis (das möchte ich hier nicht weiter vertiefen), sondern auch weil bürokratische Hürden im Weg stehen.


Ein Beispiel, das ich erfuhr: In der Schweiz darf ein Hausarzt in ein Pflegeheim kommen, um Bewohnerinnen und Bewohner zu impfen — und das ist richtig. Doch qualifiziertes Apothekenpersonal, das geschult, motiviert und verfügbar wäre, darf oft nicht dasselbe tun. Solche Regeln entstanden einst mit guten Absichten, passen aber nicht mehr zur Realität moderner Gesundheitsversorgung. Wenn Bürokratie verhindert, dass Fachpersonal Menschen erreicht, wird sie selbst zur Gesundheitsgefahr. Studien zeigen: Wenn Pflegefachpersonen, Ärztinnen und Apotheker gemeinsam handeln, steigen Impfquoten und Patientensicherheit. Prävention gedeiht dort, wo Systeme Menschen vertrauen — nicht Formularen. Deshalb müssen wir als Politikerinnen und Politiker handeln. Wenn fähige Hände impfen wollen, aber alte Regeln sie bremsen, dann ist das System selbst der Patient, der Heilung braucht.



Mit dem Winter vor der Tür denken viele daran, gesund zu bleiben — gute Ernährung, Bewegung, ausreichend Schlaf. All das ist wichtig. Doch der einfachste und gleichzeitig mächtigste Schutzschild gegen Grippe bleibt die Impfung: eine kleine Geste mit grosser Wirkung für Körper und Gemeinschaft. Eine Impfung schützt nicht nur dich, sondern auch andere: die Grossmutter mit Asthma, den Nachbarn mit Krebs, das Kind mit schwachem Immunsystem. Jede Impfung ist eine mögliche Krise, die verhindert wurde — ein stiller Akt der Solidarität.


Echte Prävention bedeutet, alle Hindernisse zu senken, die zwischen Menschen und Gesundheitsvorsorge stehen. Wenn eine Regel verhindert, dass jemand Schutz erhält, dann muss diese Regel geändert werden. Gesundheitspolitik funktioniert nur, wenn Vertrauen, Zusammenarbeit und Empathie stärker sind als Bürokratie.


Wenn ich an jenen staubigen Schulhof in Nairobi denke — an Angst, Verlust und die Hoffnung danach — erinnert mich das daran: Prävention beginnt immer mit Menschen. Wir verfügen heute über Wissen, Werkzeuge und Beweise. Was uns oft fehlt, ist der Mut zu handeln — Barrieren zu beseitigen, zuzuhören und sicherzustellen, dass niemand zurückbleibt.

Darum:

💙 Ernähre dich gut.

💙 Bewege dich so oft du kannst.

💙 Schlafe ausreichend.

💙 Und wenn du es noch nicht getan hast — lass dich impfen.

Hinter jeder Spritze, jedem Check-up und jeder überarbeiteten Regel steht die Geschichte eines geliebten Menschen. Echte Fürsorge bedeutet, niemanden zurückzulassen — weder durch Bürokratie noch durch Gleichgültigkeit. Echte Gesundheit beginnt, wenn Prävention zu unserer gemeinsamen Geschichte wird.

 

Es war ein Spätdienst auf der chirurgischen Station. Ich war gerade dabei, die Medikamente zu sortieren, als er plötzlich vor mir stand. Gross, vielleicht zehn Zentimeter grösser als ich, die Schultern angespannt, die Stimme laut und hart.

„Ich will meine Schmerzmedikamente – und der Arzt soll auch kommen!......... Jetzt!“

Sein Blick war fordernd, seine Haltung aggressiv. Für einen Moment stockte mir der Atem. Ich spürte, wie mein Körper reagierte – ein leichtes Zittern, ein halber Schritt zurück, mein Blick tastete unauffällig die Fluchtwege im Raum ab.

„Okay, ich habe Sie gehört“, antwortete ich ruhig. „Ich rufe die Ärztin oder den Arzt und bringe Ihre Medikamente.“

Kaum war ich im Stationszimmer, setzte ich mich. Erstmal atmen. Vier Sekunden ein, halten, vier aus, halten. Box Breathing – mein Anker, wenn es eng wird.

 

Wenn Erwartungen explodieren


Solche Situationen sind längst keine Ausnahme mehr. Was früher als seltener Ausnahmefall galt – ein Patient, der laut wird, Forderungen stellt, mit Druck reagiert – ist heute für viele Pflegende Alltag. Regelmässig, manchmal sogar täglich, erleben wir Eskalationen, die uns fordern, erschüttern, manchmal auch überfordern.

Diese Entwicklung ist kein Zufall. Sie ist Ausdruck eines gesellschaftlichen Wandels. Wir leben in einer Zeit der „Sofort-Logik“: Heute bestellt, heute geliefert. Die Erwartung, dass alles jederzeit verfügbar ist, hat sich tief in unser kollektives Verhalten eingeschrieben. Und sie macht nicht Halt vor Krankenhausmauern.

Im Spital zeigt sich diese Haltung in Sätzen wie:

  • „Ich will morgen wieder gesund sein.“

  • „Ich will den Chefarzt – sofort.“

  • „Ich erwarte Hotelservice – per Knopfdruck.“

Diese Aussagen sind keine blossen Wünsche – sie sind Ausdruck eines Anspruchsdenkens, das sich mit der Realität des Gesundheitswesens oft nicht vereinbaren lässt. Denn während draussen Amazon liefert, kämpfen wir drinnen mit Notfällen, Triage, Personallücken und komplexen Krankheitsbildern.

Was daraus entsteht, ist ein ständiges Aufeinanderprallen:  Erwartung trifft auf Möglichkeit. Anspruch trifft auf Systemgrenzen und dazwischen stehen wir – die Pflegenden.

Wir sind die Pufferzone zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Wir erklären, beruhigen, organisieren, dokumentieren – und tragen dabei nicht nur Verantwortung für medizinische Abläufe, sondern auch für emotionale Spannungen.

Für viele von uns bedeutet das:

  • Ständige Wachsamkeit.

  • Emotionale Selbstregulation.

  • Kommunikation unter Druck.

  • Und oft: das Gefühl, nicht zu genügen – obwohl wir alles geben.


Diese Realität ist nicht nur eine Herausforderung für Einzelne, sondern ein strukturelles Phänomen. Sie zeigt, wie dringend wir neue Wege brauchen: in der Kommunikation, in der Ausbildung, in der Personalplanung – und im gesellschaftlichen Verständnis dessen, was Pflege leistet.

Denn Pflege ist kein Lieferservice. Pflege ist Beziehung, Verantwortung, Präsenz. Und sie braucht Raum, Respekt – und realistische Erwartungen.


Wenn Wut zur Belastung wird


Für Auszubildende, teils gerade 16 Jahre alt, ist es oft ein Schock, wenn ein Patient, so alt wie ihr Vater oder Grossvater, lautstark auf sie losgeht. Aber auch erfahrene Kolleg*innen bleiben nicht unberührt.

Ich habe erlebt, wie Teammitglieder nach einem solchen Ausbruch zitternd das Zimmer verliessen. Wie manche sich vor dem nächsten Dienst fürchteten. Wie andere krank wurden oder bestimmte Patient*innen nicht mehr allein betreuen wollten.

Denn diese Wutausbrüche sind oft nicht punktuell. Sie geschehen auf dem Flur, im Zimmer, im Gespräch. Je nach Tagesform, je nach Frustration.

 

Was dann hilft – und wie wir handeln


Mit der Zeit lernt man, mit solchen Situationen umzugehen. Wir sprechen ruhig, halten körperlichen Abstand, nehmen die Menschen ernst – ohne uns selbst zu verlieren.

Deeskalation beginnt bei uns selbst:

Nicht sofort reagieren. Erst fühlen. Dann handeln.

Oft hilft schon ein ruhiger Ton, ein klarer Satz, ein aufrechter Körper. Manchmal aber auch: sich Hilfe holen. Frühzeitig. Nicht aus Schwäche, sondern aus Stärke.

Wir werden dafür geschult. In Kommunikation, in Körpersprache, in Selbstschutz. Und wir dokumentieren jeden Vorfall. Nicht, um jemanden zu bestrafen – sondern um Muster zu erkennen. Und Strukturen zu verbessern.

 

Was nach dem Adrenalinschub passiert


Wenn die Situation vorbei ist, wenn der Puls wieder normal schlägt, beginnt die eigentliche Arbeit. Dann wollen wir verstehen:


Was ist passiert? Warum ist es eskaliert? Was können wir daraus lernen?

Dafür nutzen wir bei uns SOAS-R, die Staff Observation Aggression Scale – Revised. Eine einfache, standardisierte Methode, um Vorfälle aus fünf Perspektiven zu betrachten:

  1. Was hat die Eskalation ausgelöst?

  2. Wie hat sich die Aggression gezeigt?

  3. Wen hat sie getroffen?

  4. Welche Folgen hatte sie?

  5. Was hat letztlich geholfen, die Situation zu beruhigen?

Das klingt technisch – ist aber ein starkes Werkzeug. Denn wenn viele Situationen so erfasst werden, sehen wir plötzlich Muster: Wo häufen sich Vorfälle? Welche Massnahmen helfen wirklich? Wo müssen wir baulich, personell oder strukturell nachbessern?

Da Prävention besser ist als Nachsorge, setzen wir zusätzlich die RADAR-Methode ein – ein präventives Instrument, das Risiken frühzeitig erkennt und ein rechtzeitiges Eingreifen ermöglicht.


Zahlen, die erklären – aber nichts entschuldigen


Was wir erleben, ist kein persönliches Gefühl – es ist messbar:

  • Am Universitätsspital Basel werden täglich mehr als zwei Bedrohungssituationengemeldet. In drei Jahren hat sich diese Zahl verdoppelt.

  • In der Notaufnahme des CHUV Lausanne wurden 2024 fast 400 gewalttätige Patient*innen registriert – ein Anstieg von 24 % in nur zwei Jahren.

  • Die Schweiz hat mit 18,4 Pflegenden pro 1.000 Einwohner*innen zwar einen hohen Personalschlüssel – doch die Belastung wächst schneller als die Ressourcen.

  • Laut Prognosen des Gesundheitsobservatoriums (Obsan) steigt der Bedarf an Pflegekräften in der Alters- und Langzeitpflege bis 2040 massiv an.

Diese Zahlen sind keine Ausrede. Aber sie helfen, unsere Realität zu verstehen – und den Handlungsdruck einzuordnen.

 

Was uns hilft – im Moment der Eskalation


Ein paar Dinge, die wir im Alltag konkret tun:


Früh Orientierung geben.


Kurze Updates alle 20–30 Minuten. Nicht alles lösen – aber Druck rausnehmen.


Rollen klären – ruhig und klar.


„Ich bereite vor, die Ärztin entscheidet. Ich koordiniere das jetzt für Sie.“ Führung ohne Härte.


Selbstschutz ist Professionalität.


Abstand, tiefe Stimme, kurze Sätze – und früh Verstärkung holen.


Die Stillen ansprechen.


Nicht nur die Lauten brauchen Aufmerksamkeit. Zwei ruhige Fragen im Sitzen wirken oft Wunder.


Dokumentieren. Immer.


Nicht aus Prinzip – sondern zum Schutz. Für uns, fürs Team, für die Patient*innen.

 

Pflege braucht mehr als Fachwissen – sie braucht Sicherheit


Verbale Aggression war lange ein Tabuthema – heute wissen wir: Sie ist ein echter Stressfaktor. Und sie wird nicht verschwinden.

Deshalb ist Gewaltprävention kein „nice to have“, sondern ein essenzieller Bestandteil unseres Berufs. Dazu gehören:

  • Kommunikationstrainings

  • Selbstreflexion und Teamroutinen

  • Resilienzförderung und Supervision

  • Klare Strukturen und echte Unterstützung

Denn Pflege kann nur dann wirklich für andere da sein – wenn wir zuerst auch auf uns achten dürfen.


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