Ich bin noch in der Pflege
- ignatius ounde
- 3. Apr.
- 2 Min. Lesezeit

„Bist du eigentlich immer noch in der Pflege? Ich dachte, du bist inzwischen ganz in die Politik gegangen.“
Diesen Satz höre ich immer wieder, wenn ich ehemaligen Arbeitskolleginnen und Arbeitskollegen begegne, besonders jenen, die den Beruf schon vor Jahren verlassen haben. Und ich antworte fast immer gleich: Ja, ich bin noch in der Pflege.
Ich muss darüber nicht lange nachdenken. Trotz allem, was dieser Beruf mit sich bringt, liebe ich ihn noch immer.
Vielleicht klingt das für manche seltsam. Denn Pflege ist nicht einfach. Sie verlangt viel. Manchmal zu viel. Sie fordert einen körperlich, emotional und oft auch innerlich. Es gibt Tage, an denen man nach Hause geht und spürt, dass man etwas Sinnvolles getan hat. Und es gibt Tage, an denen man merkt, dass das System einem Grenzen setzt, obwohl man eigentlich noch mehr geben wollte. Wer lange genug in der Pflege gearbeitet hat, kennt beides.
Warum also bleibe ich?
Weil Pflege für mich nie einfach nur ein Job war. Pflege bedeutet, Menschen in verletzlichen Momenten zu begegnen. Sie bedeutet Präsenz, Verantwortung und Würde. Sie bedeutet, da zu sein, wenn jemand Angst hat, Schmerzen hat oder Orientierung braucht. Genau darin liegt für mich bis heute etwas sehr Wahres.
Gleichzeitig habe ich mit den Jahren immer deutlicher gesehen, wie widersprüchlich dieses Berufsfeld oft ist. Alle sagen, wie wichtig die Pflege ist. Und trotzdem wird oft so gehandelt, als würde sie schon irgendwie funktionieren. Als könnten Verantwortung, Belastung und Personalmangel dauerhaft mit Idealismus aufgefangen werden.
Vielleicht ist genau das der Grund, weshalb ich mich auch politisch engagiere. Nicht, weil ich der Pflege den Rücken kehren wollte. Sondern weil ich nah genug dran bin, um zu sehen, wo die Probleme liegen. Wer in der Pflege arbeitet, erlebt täglich, dass gute Versorgung nicht einfach vom guten Willen einzelner abhängt. Sie braucht genügend Personal, gute Arbeitsbedingungen und echte Wertschätzung, nicht nur schöne Worte.
Und dann gibt es noch einen ganz persönlichen Grund, warum ich mich weiter einbringe: Einer meiner Söhne kann sich vorstellen, selber einmal Pflegefachmann zu werden. Das macht mich stolz. Gleichzeitig spüre ich Verantwortung. Denn ich möchte nicht, dass die nächste Generation mit Idealismus in diesen Beruf einsteigt und dann an Bedingungen scheitert, die wir längst hätten verbessern müssen.



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